Archiv | Revolutionary Song RSS feed for this section

Portrait des Künstlers als junger Rebell

12 Jul

Es ist so eine Sache mit der „Revolution“, nach der sich ein 16jähriger sehnt. Ohne recht benennen zu können, was das eigentlich genau sein soll, ist das Wort erst einmal ziemlich sexy, klingt nach einträchtig marschierenden, erhebende Lieder singenden Massen, nach Sturm und Drang, nach Zerstörung verkrusteter Autoritätsverhältnisse und einer diffusen Freiheitsvorstellung, nach der Großen Sache, in der der Einzelne aufgeht. Die Idee der Revolution bietet die ideale Folie für adoleszentes Protestbedürfnis, je größer, desto besser: Weltveränderndes erscheint der jugendlichen Psyche, die in erster Linie eine über die Maßen verletzte ist, gerade angemessen. An diese Spielart postpubertären Weltschmerzes ist Istvan Kantors experimenteller Kurzfilm „Revolutionary Song“ aus dem Jahr 2005 eine liebevolle Hommage. Ausgehend von einer vermuteterweise autobiographischen Episode illustriert der Film in Form eines neuneinhalbminütigen Videoclips anschaulich und humorvoll den ganzen hilflosen Zorn eines 16jährigen, der vom Vater, kaum dass sich die beiden nach zehnjähriger Trennung wiedersehen, zum Haareschneiden zum Friseur gebracht wird. Es ist das Jahr 1966, und die langen Haare bedeuten dem jungen Helden in diesem Moment so viel, dass er wünscht, ja betet, die Revolution möge jetzt sofort blitzartig ausbrechen, quasi zu seiner Ehrenrettung, und mit einem Schlag nicht nur die langweiligen Sehenswürdigkeiten von Paris, der neuen Heimat seines offenbar 1956 aus Budapest emigrierten Vaters, dem Erdboden gleichmachen, sondern auch den Friseur und zur Not sogar den Vater das Leben kosten.

Der Film beginnt mit einer Collage aus stark verzerrten Bildern von Straßenschlachten und dem dazugehörigen Lärm – splitterndes Glas, Schreie, Schläge – über den ersten Takten von Édith Piafs „Non, Je Ne Regrette Rien“; extreme Bildstörungen wie bei beschädigten Videobändern lassen die Szenen eskalierender Demonstrationen mehr erahnen als erkennen. Ein kurzer Text, der sowohl in stroboskopartig aufflackernden Textfeldern eingeblendet als auch von einer Frauenstimme as dem Off gesprochen wird, beschreibt daraufhin die ernüchterte Stimmung nach der Niederschlagung des ungarischen Aufstands von 1956: „Once again, revolution became an impossible dream“. Melancholische Tangomusik setzt ein, die mit rasch auf einander folgenden Überblendungen montierte Bildcollage wird nun um Nahaufnahmen des sich im Takt wiegenden Kantor arrangiert, der nach Einblendung des Titels beginnt, seine Geschichte zu singen, und zwar zur Melodie des den Soundhintergrund bildenden, stark an die Internationale erinnernden Marsches.

Stilistisch ist der Clip eine wilde Mischung, sowohl auf der Sound- als auch der Bildebene, die sich deutlich an der Punk-Ästhetik der 80er Jahre orientiert: found footage, Handkameraaufnahmen, Mitschnitte von Punkkonzerten, Tanzszenen werden in geradezu manischem Tempo zusammengeschnitten, die stakkatoartig darübergelegten Textzeilen vor starken Kontrastfarben erinnern an die Collagetechnik Jamie Reids, und auch Kantors Äußeres entspricht dem gängigen Bild eines alternden Punks. Mit seinem blondierten, irokesenähnlich geschnittenen Haarschopf, der an der ausrasierten Schläfe eine Tätowierung in Form eines schwarzen X sehen lässt, und dem betont nachlässig getragenen Anzug bedient sich der Künstler bei modischen Codes, wie wir sie von Punkrockern seit den späten 70ern kennen; insbesondere Johnny Rotten von den Sex Pistols dürfte hier Pate gestanden haben. Zu dieser Assoziation passt auch die rote Armbinde als Anspielung auf paramilitärische Formationen – ein doppelbödiges Zitat: Wie etwa Larissa Denk und Jan Spille in ihrem Aufsatz „Kleidsamer Protest – Medium und Moden des Protests“ (2009) beschreiben, waren Anleihen bei der nationalsozialistischen Hakenkreuz-Symbolik seitens englischer Punks in den späten 70ern „bereits dem Rücklauf von kulturwissenschaftlichen Subkulturtheorien in die Subkultur des Punks geschuldet“.

Interessanterweise ist dabei das Bild, das Kantor von sich als Jugendlichem entwirft, ein etwas anderes: kein Irokesenschnitt ist es, der das Missfallen des Vaters erregt, sondern langes, lockiges Haar; zu den Helden seiner Jugend gehören nicht nur „dictators and rebels“, sondern auch Bob Dylan, dessen Abkehr von dem Teil seiner Fans, den Kantor als „rising hippie scum“ bezeichnet, 1966 gerade mal ein Jahr zurückliegt. Aus heutiger Perspektive wirkt der jugendliche Held, der sich über Leonard Cohens apolitische Haltung lustig macht, zugleich aber verträumt den Regen betrachtet, während er von nicht näher bezeichneten Rebellen träumt, also etwas zwiegespalten in seinem Idealismus. Das mag einerseits schlicht eine Altersfrage sein, könnte andererseits aber auch auf die besonderen Widersprüchlich-keiten referieren, mit denen ein Teenager im Ungarn der 60er Jahre aufwächst: in der geistigen Enge eines repressiven kommunistischen Systems, gleichzeitig mit popkulturellen Vorbildern aus dem Westen, deren Rezeption in von unterschiedlichen Ideologien beherrschten Gesellschaften auch unterschiedlich zu bewerten sein dürfte.

Das lange Haar junger Männer als Ausdruck politischen Protests im Zusammenhang der gesellschaftlichen Kämpfe im Vorfeld des Pariser Mai 1968 ist ein bekanntes Phänomen. Als modischer Code ist es wohl zu einem großen Teil von der US-amerikanischen Hippiekultur ausgegangen, im Verlauf der amerikanischen und europäischen Protestbewegungen allerdings als Symbol nicht ausschließlich mit naiver flower power-Romantik assoziiert. Auch der Held unserer Geschichte distanziert sich vom Hippietum, wiewohl seine Gewalt- und Zerstörungsphantasien nicht unbedingt in Widerspruch zu Idealen der 68er-Bewegung wie Engagement gegen den Vietnamkrieg stehen. Dennoch geht es in Kantors Erzählung nicht in erster Linie um „echte“ politische Kämpfe, die Beschwörung der Revolution dient vielmehr dem Ausdruck sehr konkreter persönlicher Wut.

Es stellt sich allerdings die Frage, ob diese Metaphorik auch späteren Generationen noch entspricht. Abgesehen von der Entpolitisierung, die der popkulturelle Mainstream in den letzten Jahrzehnten ganz allgemein erfahren hat, ist auch die Symbolik von langem Haar und roten Fahnen eine, die heute eher historisch anmutet und die man mit Milan Kundera als „linker Kitsch“ bezeichnen kann, oder aber, in ihrer durch die Modeindustrie transformierten Gestalt, als „radical chic“ – was in etwa auf dasselbe hinausläuft. Insofern entbehrt „Revolutionary Song“ nicht einer gewissen Nostalgie, wie man sie bei Männern dieser Generation häufig antrifft, nicht selten in Verbindung mit einer Kritik an der vergleichsweise wenig engagierten „heutigen Jugend“. Die Frage, ob das Bedürfnis nach gesellschaftlichem Umsturz ein natürlicher Aspekt des Erwachsenwerdens ist, an dem jüngere Generationen einfach versagen, oder sich in einem bestimmten historischen Moment aufgrund des von der Energie der Studierenden- und Jugendkulturen getragenen Zeitgeistes manifestiert hat, wird so leicht nicht zu beantworten sein. Auch Istvan Kantor muss sie nicht entscheiden. In seinem Film geht es um seine Geschichte, und die kann er rückblickend zufrieden kommentieren, indem er, wie im Vorspann angedeutet, Édith Piaf zitiert: Non, je ne regrette rien.

Advertisements

„Revolutionary Song“ von Istvan Kantor

3 Jul

„Revolutionary Song“ beginnt grell, verstörend, eindrücklich: Bildflimmern, schwarz, Bilder einer Revolution leuchtend violett eingefärbt. Das Bild wackelt, stockt, die Kirchglocken läuten,….1956….einer Revolution folgt Unterdrückung,…

Istvan Kantors neun einhalb Minuten dauernder Film ist quasi ein experimenteller, autobiographisch angehauchter Videoclib. Istvan Kantor operiert mit found footage- Material mitunter aus vergangenen Revolutionen oder Ausschnitten, die aus seinem eigenen Fundus stammen. Dazu performt er tanzend, singend, sich windend, zitternd und zuckend den „Revolution Song“.
Alles Gesprochene erscheint auch als Untertitel, eher schlagwortartig, bunt und bold über das Bild gelegt. Durch Überblendungen, schnell aneinander folgende Schnitte und die amateurhafte Kameraführung, wirkt das Ganze Nerven aufreibend, verwirrend, energisch, authentisch und eindringlich.
Der Ton wird ähnlich wie die Bilder geschnitten, abgehackt, unterbrochen und wieder weitergeführt.
Eine feierlich, festliche Hymne mit eigenem Text übersungen bzw. übersprochen. Der anklagende halb Text in Kombination mit der militärischen Musik, mit Schüssen und Krachern wirkt wie die Umcodierung des militärischen Parkas zu einem Hippi-Demo-Accessoire. Bild und Ton zusammen verschmelzen zu einem orgiastischen Krampf der Geschichten. Welche Geschichten?

Erstens: Die Geschichte der Revolutionen 1956 in Budapest, die brutal niedergeschlagen wurde und auf welche hin Istvans Vater nach Paris zieht.
ONCE AGAIN REVOLUTION BECOME AN IMPOSSIBLE DREAM.

Zweitens: Die Geschichte des 16 jährigen Sohnes der GO WEST 1966, 2 Jahre vor 68, nach Paris zu seinem Vater auf Besuch kommt. Dem Vater will seine Hippiehaarpracht nicht gefallen. Kurzerhand wird ein Friseurbesuch veranlasst und noch während sich der junge Istvan die Zerstörung von Notre Dame und Sacre Ceur, den Tod seines Vaters und in Blut getränkte Straßen wünscht, fallen seine Haare der Autorität seines Vaters zum Opfer.
Drittens: Die Geschichte der 68-Revolution. Generationenkonflikt. IT WAS THE TIME OF THE RISING HIPPIE SCUM. Die Jugend, die die stillen Monumente der Geschichte zerstört sehen will, weil die ältere Generation ebenso still wie die Monumente selbst über die Geschichte schweigt. WE DROVE TO SOME BORING MONUMENTS. I WISHED WE WOULD NEVER NEVER NEVER GET THERE! Diesen Konflikt trägt auch der 16-Jährige stillschweigend mit seinem Vater aus.
I WISHED THE TOUR D EIFFEL WOULD FALL ON MY FATHERS HEAD. I WISHED THE NOTRE DAME WOULD COLLAPSE AND STRIKE HIM DEAD.
Düüüü dü düm düm düüü, dü dü dü dü dü, düüüü dü düm dü düüüü.
THE SPARK THAT SETS FIRE ON EVERYTHING IS INSIDE OF YOU. ONLY THE DEED IS REVOLUTIONARY.

AND THE SKY REMAINED HOPELESSLY BLUE.
Die vierte Geschichte ist der „Revolution Song“ selbst. Im Jahre 2005 in Canada gedreht. Istvan Kantor als ein Künstler, 50-60 Jahre alt, kurzes, blondiertes Haar, ein „x“ verziert seine Schläfe, er trägt Anzug und Schlips, eine rote Schleife um den Arm, …punkig, jugendlich, mit Furchen im Gesicht.
Er singt von vergangenen Revolutionen, der Schönheit gescheiterten Aufruhrs und fehlgeschlagener Revolte. LETS DISCUSS THE BEAUTY OF FAILED INSURRECTION.

Nun, was hat dies alles auf einem Modeblog verloren?
Mode reagiert auf gesellschaftliche Veränderungen und gesellschaftliche Veränderungen bringen eine neue Mode.
So entwickeln die Anhänger eines Gedankens, die Träger einer Revolution meist auch Kleidungs-Codes, um deren Gesinnung zu veranschaulichen. Der Parka, die Lederjacke, Buttons, Aufnäher, Frisuren,…es gibt zahlreiche Beispiele für die Umcodierung alltäglicher Materialien zu politisch, aufgeladenen Zeichen.

Die Frisur, welche auch in Istvan Kantors Film eine zentrale Rolle spielt, wird immer wieder zum Objekt für Kämpfe zwischen den Generationen. Ludvig der 14. trug die Perücke, Napoleon den Kurzhaarschnitt, Hitler den Seitenscheitel und die Hippies ließen ihr Haar lange wachsen. Frisuren haben mitunter eine konkrete Aussage, symbolischen Charakter. Ein Friseurbesuch, vom Vater initiiert, kann als gewaltsame Zerschlagung einer beginnenden Rebellion auf Microebene gelesen werden.

„Disidenz oder Verweigerung gegenüber etablierten gesellschaftlichen Normen werden laut Dick Hebdige als Bedrohung der gesellschaftlichen Ordnung angesehen. Zur Wiederherstellung derselben wird Widerständiges wieder in den „vorherrschenden Bedeutungsrahmen“ eingegliedert und auf diese Weise im Sinne sozialer und kultureller Normative vereinnahmt.“ (Klaus Schönberger & Ove Sutter, 2009:228)

LONG LIVE THE SPIRIT OF SWEET 16 REBELLION…so heißt es im Revolution Song. Doch lebt dieser Geist in Istvan noch? Sein Haar, dass ihm sein Vater geschnitten hat, ist immer noch bzw. wieder kurz, er trägt keine Hippie-Klamotten, sondern Anzug und Kravatte… belächelt oder vermisst er seine Sixteen-Rebellion? Oder hat sich nur das Rebellions-Outfit verändert? Unterliegt auch die Rebellion einer Mode? Benötigt es eine gewisse Sweet-Sixteen-Spirit-Naivität, um zu rebellieren?

Irgendwie scheint es, als wären die Träume und Illusionen Istvan Kantors Jugend verträumt, ein Unverständnis für seine Wut auf alte Monumente macht sich breit, …
die „68er“ sind selbst zu einem alten Monument geworden.

Take Me To The Riot

1 Jul

Cast off the crutch that kills the pain, the red flag waving never meant the same. The kids of tomorrow don’t need today, when they live in the sins of Yesterday”, so beginnt ein populäres Stück der amerikanischen Punkrock Band Billy Talent. Über Musik und Text des Liedes lässt sich streiten, das Musikvideo zu dem Lied, welches 2006 von Floria Sigismondi gedreht wurde, ist allerdings sehr sehenswert und zeigt eine Jugendrevolution in einer amerikanischen Kleinstadt. Wie sich’s gehört sind die Musiker der Band, welche sich das ganze Video über vor dem Rathaus bzw. des städtischen Versammlungszentrums aufhalten und spielen, auch bei weitem die einzigen Erwachsenen in dem Musikclip. Kids im alter von 12 bis 20 brechen zuerst – bewaffnet mit roten Flaggen – aus einer Schule aus und laufen dann in einem immer größer werdenden und alles mit roten Flaggen verkleidenden Mob durch die Straße und hin zur City Hall, wo das dreieinhalb lange Video auch seinen Höhepunkt findet.

Für mich persönlich ist die Optik des Videos sehr interessant… alle Protagonisten sind im gleichen Stil gekleidet – 2006 war ja „Emo“ Hochblütezeit und da Billy Talent auch eine Szeneband ist, sind sowohl Band als auch die Teenager in schwarz gekleidet und anhand ihrer Outfits der Emo- bzw. Punkrock Subkultur zuzuordnen. Diese „Uniformen“ symbolisieren eine Einheit und Zugehörigkeit zu ein und derselben Gruppe. Wie Amann 2005 schon anmerkte, wird durch „gleichförmige Kleidung“ Gruppenzugehörigkeit sowohl innerhalb der Gruppe als auch Außenstehenden kommuniziert. Im Gegensatz zu Protestbewegungen wie sie einem aus Zeitung und TV gängig sind, sind die Kids in dem Musikvideo nicht vermummt oder verdecken ihre Gesichter mit Tüchern, Schals oder anderweitig. Man soll sehen, wer sie sind, und dass sie ein wichtiges Anliegen haben.

Wie Larissa Denk und Jan Spille in ihrem Text über kleidsamen Protest, welcher in einem Band namens „Kommt herunter, reiht euch ein…“ erschienen ist und von Protestformen handelt sehr treffend feststellen, hat Protestkleidung und damit Vermummung und Verkleidung für die Akteure in erster Linie eine Schutzfunktion. Mal von den Jahreszeiten so wie Witterungsverhältnissen abgesehen, stellen auch Polizei oder Sicherheitsdienste eine Gefahr für Protestanten dar und so ist es im Sinne des Protestierenden, sich zu schützen und vielleicht sogar anonymisieren. Ebendies ist in dem Musikvideo zu „Red Flag“ nicht notwendig – in keinem Moment werden die jungen Protestanten in ihrem Tun von der Exekutive oder sonst jemandem in ihrem Tun beeinträchtigt, ja, die ganze Stadt scheint bis auf die randalierenden Kids sogar ausgestorben zu sein!

Wenn man sich Textstellen aus dem Lied rauspickt, dann wird einem schnell klar, dass sich Billy Talent als Sprachrohr einer unzufriedenen Jugend fungieren… skurril, wenn man bedenkt, dass sich die Texte eindeutig an Jungendliche richten, die Bandmitglieder aber alle bereits jenseits der 30 Jahre alt sind und damit ja eigentlich genau zu der Menschengruppe gehören, gegen die sie zum Riot aufrufen.

„Like a fire,
Don’t need water,
Like a jury,
Needs a liar,
Like a riot,
Don’t need order,
Like a madman,
Needs a martyr.

We don’t need them.”

Auch der Teil des Refrains ”The kids of tomorrow don’t need today, when they live in the sins of Yesterday” verweist wieder darauf, dass den Kids die Zukunft gehört und sie mit den Fehlern der Elterngeneration(en) leben müssen und nun dagegen rebellieren. Unterstützt wird das noch zusätzlich von einer Szene gegen Ende des Videos, in der ein Junge von einem Podest aus Geschichtsbücher in die schreiende und tanzende Meute wirft und sie so zerstört. Die roten Seiten aus dem Buch bilden zusammen mit dem roten Rauch, der plötzlich aus dem Nichts auftaucht so bald die Musik aufhört zu spielen, das Schlussbild des Videos. Die plötzliche Stille wird noch zusätzlich durch leise hallende „We want out“ Sprechchöre der Kids unterstützt so wie der Tatsache, dass alle Protagonisten russische Gasmasken tragen, die an den zweiten Weltkrieg erinnern, und anklagend in Reihe und Glied stehen.

Was ist aber nun diese „rote Flagge“, von der man im Video geradezu überschwemmt wird? Der generellen Definition zu Folge, ist eine rote Flagge ein Warnsignal – etwas, dass augenblickliche Aufmerksamkeit erfordert und meistens auch auf Irritationen stößt. In der amerikanischen Kriminalpsychologie werden Kinder und Jugendliche als „Red Flags“ bezeichnet, die von Eltern und Lehrern genauestens beobachtet werden müssen, da ihr Verhalten auffällig ist und sie sich unter Umständen zu Soziopathen entwickeln könnten (!!)… die USA hat eben für jedes „Problem“ gleich mal vorsichtshalber die passende Lösung parat.

Das Musikvideo von Billy Talent ist selbstverständlich im Vergleich zu “echten” Protestvideos inhaltlich relativ schwach, dennoch zeigt es gerade dadurch auf, womit sich die Jugend heutzutage herumschlagen muss: jung gebliebene Pseudo-Revolutionäre, die wie der Rattenfänger von Hammeln mit einfach zu verstehenden Parolen und Bildern auf die Jagd gehen. 😉