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Marseille – eine kosmopolitische Stadt

27 Jun

Frankreich hat eine lange Zuwanderungsgeschichte vorzuweisen, denn bereits im 18. und 19. Jahrhundert, wurden im Zuge der Industrialisierungsprozesse Einwanderer aufgenommen. Die im ganzen Land sinkende Geburtenrate und die damit ausbleibenden Arbeitskräfte mussten irgendwie kompensiert werden und so wurde ein Anwerbeabkommen abgeschlossen. Zu Beginn der 1930er Jahre war Frankreich neben den USA das zweitwichtigste Einwanderungsland der Welt (Verhältnis zur Gesamtbevölkerung). Im Jahre 1974 wurde jenes Anwerbeprogramm eingestellt und seitdem zählt die Familienzusammenführung zahlenmäßig zu der wichtigsten Form der Zuwanderung. Nachdem in den 1990er Jahren eine „Null-Einwanderungs-Politik“ vertreten wurde, wurde diese Form der Migration zunehmend erschwert.

Mit einem Ballungsgebiet von 1,35 Millionen Einwohnern, ist Marseille die drittgrößte Agglomeration Frankreichs. Durch die Eröffnung des Suezkanals 1869, wurde Marseille der größte Hafen des Mittelmeeres und damit einer der beliebtesten Orte für Einwanderer. Nach dem 2. Weltkrieg entstanden viele neue Arbeitsplätze, wodurch tausende Einwanderer aus Kolonien, insbesondere Algerien (sog. Pieds-Noirs), sich im Norden der Stadt in den sogenannten „Bidonvilles“ (Elendsviertel) niederließen.

Als Vorsitzender der Front National wurde Le Pen, ein rechtsextremer Politiker, 2004 Abgeordneter im Parlament und versuchte die Region Provence, Alpes, Côte d´Azur zu erobern. Vor Allem in Marseilles gab es dagegen Demonstrationen mit Aufschriften wie „Wir sind alle Kinder von Immigranten, 1.-2.-3. Generation“. Dies verdeutlicht noch einmal die Multikulturalität und das Zusammengehörigkeitsgefühl der Stadt.

Der Politologe Jean Viard, auch der Denker von Marseille genannt, hat dies in einen schönen Zitat erfasst: „Was die Dynamik einer Stadt ausmacht, ist ihre Vergangenheit und die Erinnerung daran. Die Kompetenz ihrer Bewohner und der Austausch zwischen Nah und Fern, zwischen verschiedenen sozialen Schichten, Herkünften, Kuturen. Eine homogene Stadt, ob sie nun arm oder reich ist, kann nicht kreativ sein. Insofern hat Marseille mehr Vorzüge als so manch andere Stadt Europas.“

Julia und Fabio

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